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Zune kontra iPod

Microsofts Antwort auf den iPod ist vorerst nur in den USA erhältlich. Lohnt der Import?


GROSSANSICHT
Zune kontra iPod - Microsofts Antwort auf den iPod ist vorerst nur in den USA erhältlich. Lohnt der Import? - Zune kontra iPod - Microsofts Antwort auf den iPod ist vorerst nur in den USA erhältlich. Lohnt der Import?
 
Verkehrte Welt: Während Konzernriese Microsoft seit Jahren die Computer-Branche dominiert, verteidigt der vergleichsweise kleine Konkurrent Apple heldenhaft die Spitzenposition bei den MP3-Spielern. Nun will sich Microsoft aber nicht länger veräppeln lassen: Der Zune soll dem iPod den Garaus machen und langfristig zur Nummer eins bei den mobilen MP3-Spielern werden. Doch der TV Movie multimedia-Praxistest mit einem eigens aus den USA importierten Player zeigt: Bis dahin ist es noch ein weiter Weg …

Der erste Eindruck ist vielversprechend: Aus der dunkelbraunen Box schält sich ein Multitalent, das sich hinter dem Kultspieler nicht verstecken muss. Das angenehm griffige, gummierte Kunststoffgehäuse,das wahlweise in Weiß, Schwarz oder Braun erhältlich ist, wirkt wesentlich robuster als die Hochglanzoberfläche des iPod, die Kratzer scheinbar magisch anzieht. Die zweite Überraschung: Obwohl auch der Microsoft-Musikus auf ein rundes Bedienfeld setzt (Scrollwheel), lässt er sich noch leichter steuern. Das Rädchen mit der Bestätigungstaste in der Mitte ist nicht mit einem Sensor ausgestattet – der bringt beim iPod gelegentlich den Menüfluss ins Stocken. Will man etwa die Lautstärke erhöhen, drückt man beim Zune oben auf den äußeren Ring. Das klappt hervorragend, zumal der Druckpunkt angenehm knackig ausfällt. Das Menü wirkt insgesamt schlichter als beim iPod, ist aber sehr gut strukturiert – selbst Einsteiger kommen auf Anhieb gut zurecht. Auch die Suche nach einem Musiktitel geht schneller vonstatten als beim Apple-Bestseller. Und: Der Startbildschirm lässt sich mit einem selbst gewählten Hintergrundbild veredeln.

Nur mit Tricks lauffähig

Vom PC kann man ein Hintergrundmotiv auf den Zune übertragen – sofern man das Transfer-Programm ans Laufen bringt: Die derzeit verfügbare Variante verträgt sich lediglich mit der englischsprachigen Version von Windows XP Service Pack 2; um sie auf einem deutschen System zu aktivieren, ist eine Änderung in den Tiefen der so genannten Windows- Registry nötig. Darin speichert das Betriebssystem sämtliche Einstellungen und Informationen. Aber Vorsicht: Geht bei den Änderungen was schief, startet meist der Rechner nicht mehr oder das System läuft instabil. Daher sollten sich nur Fortgeschrittene an den Einträgen zu schaffen machen. Wird der Zune danach an den PC angeschlossen, überträgt er per USB-Kabel alle für den Abgleich freigegebenen Lieder, Fotos und Videos. Eine herbe Enttäuschung: Die drahtlose Synchronisation wird trotz Funknetzmodul WLAN nicht unterstützt. Ist der PC ans Internet angeschlossen, stellt der Microsoft-Spieler unaufgefordert eine Verbindung zum amerikanischen „Zune Marketplace“ her – der soll dem Internet-Musikshop von Apple (iTunes Music Store) Konkurrenz machen und sieht diesem zumindest schon mal ziemlich ähnlich. Hier können derzeit aber nur US-Kunden einkaufen. Denen bietet Microsoft zudem einen Musik-Pauschaltarif an: Für rund 15 US-Dollar monatlich kann man nach Herzenslust Songs aus dem etwa zwei Millionen Titel umfassenden Angebot (iTunes: 3,5 Millionen) herunterladen. Kündigt man jedoch das Abo, sind auch die gespeicherten Lieder gesperrt.

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Vorreiter: Der Kultspieler von Apple kommt in der fünften Generation mit USB-Schnittstelle, aber ohne WLAN und Netzteil.
Unverständlich ist, warum Microsoft nicht den hauseigenen Windows-Media-Player weiterentwickelt hat, sondern auf ein neues System setzt. Auch bei der Verwaltung der digitalen Rechte (kurz: DRM) geht der Krösus neue Wege: Musikmaterial, das im hauseigenen MSN Music Store erworben wurde, lehnt der Zune ebenso ab wie Ware von musicload, Napster & Co. Wer den Entertainer importiert, kann ihn also lediglich mit selbst erstellten MP3s füllen. Microsoft nimmt sich auch hier den iPod zum Vorbild: Der schluckt nur die bei iTunes gekauften Songs oder selbst produzierte MP3s. Um dem Platzhirsch Kunden abzujagen, müsste Microsoft den Zune etwas offener gestalten und dem Kunden mehr Freiräume lassen. Dies gilt auch für die WLAN-Schnittstelle. Hier könnte der Neuling wertvolle Punkte gegen den iPod mit seinen Anschlussmöglichkeiten sammeln. Doch diese Chance nutzt Microsoft nur halbherzig: Zwar kann man seine Lieblingsstücke drahtlos auf den Zune eines Bekannten übertragen, aber dort nur maximal dreimal innerhalb von drei Tagen abspielen. Danach bleibt der Kauf des Titels im Zune Marketplace (sofern im Angebot) – oder das Löschen der wertlos gewordenen Dateien. Besonders ärgerlich: Auch eigene Aufnahmen fallen unter diesen rigiden Kopierschutz. Dabei könnte gerade der drahtlose Austausch von Hits und Clips das Gerät zum Kassenschlager machen.

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Abgekupfert: Microsoft hat in einigen Details die Optik des iPod übernommen. WLAN und USB 2.0 sind inklusive, ein Ladegerät aber nicht.
Und wie steht es um die technischen Qualitäten des tragbaren Medienspielers, der sich wie der „große“ iPod nicht nur bis zu 7500 Songs, sondern auch 25 000 Fotos oder satte 100 Stunden Videos merken kann? Bei der Klangprüfung mit den originalen Ohrstöpseln spielten beide Kontrahenten durchaus passabel, dabei fehlte es aber vor allem dem iPod an Dynamik im Bassbereich. Diesen Eindruck konnten auch die 22 Equalizer-Einstellungen (Zune: 7) nicht verwischen. Wirklichen Aufschluss über die klanglichen Talente des Duos konnte daher nur ein Hörvergleich mit dem Kopfhörer Koss Porta Pro bringen. Als Referenzaufnahme stand die brandneue CD „Givin’ it up“ der Jazz-Legenden George Benson und Al Jarreau zur Verfügung, die in hochwertiger Komprimierungsqualität auf die Testkandidaten übertragen wurde. Dabei spielten die beiden Player auf annähernd gleichem Niveau. Bei Kompositionen wie dem pulsierenden Instrumental „Breezin’“ vermochte sich freilich der Zune mit etwas mehr Räumlichkeit in Szene zu setzen. Auch Al Jarreaus Stimmband-Akrobatik im Miles-Davis-Cover „Tutu“ wirkte über den Microsoft-Player eine Brise frischer. Keine Frage: Anspruchsvolle HiFi-Fans haben mit beiden Spielern Spaß, wenn sie in einen leistungsstarken Kopfhörer aus dem Zubehörregal investieren.

Videospieler ohne Ausdauer

Wer die beiden Taschenspieler als Videokonsolen einsetzen möchte, ist mit dem Zune trotz identischer Auflösung (240 mal 320 Bildpunkte) besser bedient: Er bietet nicht nur den großzügigeren Bildschirm (7,6 statt 6,4 Zentimeter), sondern auch einen komfortablen Breitbild-Modus, mit dem das Taschenkino mehr Vergnügen bereitet. Allerdings nur für beschränkte Zeit: Bei unserem Praxistest war der Zune-Akku nach gut zweieinhalb Stunden leer, während er bei der reinen Musikwiedergabe etwa 13 Stunden durchhielt. Der iPod bewies in beiden Disziplinen einen etwas längeren Atem – und zeigte sich überdies auf einem Gebiet überlegen, wo man eher dem Microsoft-Zögling Pluspunkte zugetraut hätte: Das Gerät mit dem Apfel übernimmt ungerührt Kontakte und Termine vom aus dem Programm „Outlook“ vom PC, während der weiße Riese nichts mit dem Terminplaner aus dem eigenen Haus anzufangen weiß. Trotzdem überzeugt sein Grundkonzept mit der bemerkenswert einfachen Bedienung auf Anhieb.

Natürlich ist bei Microsoft noch sehr viel Feinarbeit nötig, um zur MP3-Ikone iPod aufzuschließen – bis zur Einführung in Deutschland voraussichtlich Ende 2007 ist ja auch noch eine Menge Zeit.